ERP Projektteam richtig aufstellen in 7 Rollen
Erfahren Sie, wie Sie Ihr ERP-Projektteam optimal aufstellen, um Verantwortung, Zeit und Entscheidungswege klar zu definieren und Projekterfolg zu sichern.


Ein ERP-Projekt scheitert selten daran, dass die Software zu wenig kann. Es scheitert, wenn niemand verbindlich entscheidet, Fachbereiche zu spät eingebunden werden oder der Projektleiter das Vorhaben nebenbei stemmen soll. Wer das ERP Projektteam richtig aufstellen will, schafft deshalb zuerst Klarheit über Verantwortung, Zeit und Entscheidungswege. Das ist gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen entscheidend: Ihr habt keine Abteilung, die monatelang ausschließlich am Projekt arbeitet. Ihr braucht ein Team, das schnell handlungsfähig ist - ohne Overengineering.
Warum das Projektteam über Tempo und Akzeptanz entscheidet
SAP Business One verbindet Einkauf, Verkauf, Lager, Finanzen und Auswertungen in einem System. Damit verändert die Einführung nicht nur eine technische Oberfläche. Sie legt fest, wer Daten pflegt, wie Freigaben funktionieren, wann ein Auftrag als lieferbereit gilt und welche Zahlen im Monatsabschluss belastbar sind.
Wenn diese Fragen nur zwischen Tür und Angel beantwortet werden, entstehen später teure Korrekturen. Der Vertrieb arbeitet weiter mit Excel, das Lager umgeht neue Buchungen und die Buchhaltung muss fehlende Informationen hinterherräumen. Ein gutes Team verhindert genau diese Schleifen, weil die Menschen am Tisch sitzen, die Prozesse wirklich kennen und Entscheidungen treffen dürfen.
Dabei gilt: Nicht jede Person muss jedes Detail verstehen. Ein Geschäftsführer muss keine Kontierung einrichten. Ein Lagerverantwortlicher muss keine Berechtigungsstruktur entwerfen. Aber alle Beteiligten müssen wissen, welche Aufgabe sie haben, wann sie liefern müssen und wer bei Konflikten entscheidet.
Diese 7 Rollen braucht Euer ERP-Projektteam
Die Rollen können bei einem Unternehmen mit zehn Mitarbeitenden teilweise in einer Person zusammenfallen. Bei einem größeren Mittelständler werden sie meist getrennt besetzt. Entscheidend ist nicht die Zahl der Namen im Organigramm, sondern dass keine Kernverantwortung offenbleibt.
1. Der Auftraggeber mit Entscheidungsmandat
Diese Rolle liegt meist bei Geschäftsführung, kaufmännischer Leitung oder COO. Der Auftraggeber setzt Ziel, Budgetrahmen und Prioritäten. Vor allem löst er Zielkonflikte: Soll der Starttermin gehalten werden oder braucht ein Sonderprozess noch eine weitere Runde? Wird eine individuelle Anpassung wirklich benötigt oder reicht ein sauberer Standardprozess?
Ohne diese Instanz wartet das Team auf Entscheidungen. Das kostet mehr Zeit als jede technische Aufgabe. Der Auftraggeber sollte nicht jedes Projektmeeting besuchen, aber in einem festen Lenkungskreis erreichbar sein und verbindlich entscheiden.
2. Der interne Projektleiter
Der interne Projektleiter hält Fäden zusammen. Er plant Termine, dokumentiert offene Punkte, fordert Entscheidungen ein und sorgt dafür, dass Fachbereiche ihre Aufgaben nicht verschieben. Wichtig: Diese Person braucht ein echtes Zeitbudget. Wer das ERP-Projekt zusätzlich zu einer ohnehin vollen operativen Stelle führen soll, gerät schnell in eine Dauerkrise.
Der Projektleiter muss nicht der tiefste SAP-Experte sein. Er muss strukturiert arbeiten, Konflikte ansprechen und Euer Tagesgeschäft gut genug verstehen. Ein erfahrener externer Partner kann das Projekt methodisch führen. Die Verantwortung für Prioritäten und interne Zuarbeit bleibt jedoch bei Euch.
3. Die Prozessverantwortlichen aus den Fachbereichen
Für jeden Bereich braucht Ihr mindestens eine Person, die den Ist-Ablauf kennt und den künftigen Prozess mitentscheidet. Typisch sind Verantwortliche für Verkauf, Einkauf, Lager und Finanzen. Bei produzierenden Unternehmen kommt die Fertigung hinzu, bei Dienstleistern häufig die Projektabrechnung.
Diese Personen sollten nicht nach persönlicher Vorliebe konfigurieren. Ihre Aufgabe ist, den Ablauf so zu gestalten, dass er für das gesamte Unternehmen funktioniert. Ein Beispiel: Der Verkauf möchte Aufträge möglichst schnell erfassen. Das Lager braucht jedoch vollständige Liefer- und Bestandsdaten. Beide Anforderungen gehören an einen Tisch, bevor eine Einstellung im System festgeschrieben wird.
4. Die Finanzverantwortung
Finanzen dürfen nicht erst kurz vor dem Start eingebunden werden. Kontenplan, Steuerlogik, Zahlungsbedingungen, offene Posten, Kostenstellen und Monatsabschluss bestimmen viele Grundlagen im ERP. Wer die Buchhaltung zu spät dazuholt, muss Stammdaten, Belege und Auswertungen später nacharbeiten.
Habt Ihr keine eigene Buchhaltungskapazität, braucht Ihr trotzdem eine feste Ansprechperson auf Eurer Seite oder beim Steuerbüro. Sie prüft, ob die Abläufe zu Euren Anforderungen passen. Bei einer ausgelagerten Finanzbuchhaltung direkt im System müssen Verantwortlichkeiten besonders klar sein: Wer prüft Belege, wer gibt Zahlungen frei und wer klärt Abweichungen?
5. Die Stammdatenverantwortung
Stammdaten wirken unspektakulär, entscheiden aber über die Datenqualität nach dem Start. Artikel, Kunden, Lieferanten, Preise, Stücklisten, Lagerorte und Zahlungsbedingungen müssen bereinigt, zugeordnet und freigegeben werden. Diese Arbeit lässt sich nicht einfach an den ERP-Partner delegieren. Er kann Vorlagen, Regeln und Prüfroutinen liefern - fachlich korrekt werden die Daten nur mit Eurem Wissen.
Benannt deshalb früh eine verantwortliche Person. Sie entscheidet auch, welche Altdaten tatsächlich übernommen werden. Nicht jede Excel-Liste verdient einen Platz im neuen System. Oft ist es sinnvoller, nur aktive Artikel, offene Belege und relevante Historien zu migrieren, statt jahrelanges Datenchaos mitzunehmen.
6. Die technische Ansprechperson
Auch bei einer Cloud-Umgebung bleiben technische Aufgaben: Benutzer, Geräte, Drucker, Schnittstellen, E-Mail-Versand, Berechtigungen und gegebenenfalls die Anbindung von Shop, Logistik oder Dokumentenmanagement. Die technische Ansprechperson koordiniert diese Themen intern und stellt sicher, dass Euer ERP-Partner die notwendigen Zugänge und Informationen erhält.
Das muss keine klassische IT-Stelle sein. In kleineren Unternehmen kann es ein technisch versierter Mitarbeiter sein. Entscheidend ist, dass diese Rolle nicht erst in der Woche vor dem Produktivstart auftaucht. Besonders Schnittstellen brauchen früh eine klare fachliche Beschreibung: Welche Daten fließen wann, wer reagiert bei Fehlern und welches System ist führend?
7. Die späteren Anwender als feste Stimme
Die Menschen, die täglich Angebote schreiben, Wareneingänge buchen oder Rechnungen prüfen, erkennen unpraktische Abläufe oft früher als Führungskräfte. Bindet deshalb ausgewählte Anwender in Tests und Schulungen ein. Sie müssen nicht jede Sitzung begleiten, aber sie sollten echte Vorgänge durchspielen und Probleme offen benennen dürfen.
Das erhöht die Akzeptanz deutlich. Gleichzeitig müsst Ihr eine Grenze ziehen: Ein Projektteam ist keine Abstimmungsrunde, in der jede Gewohnheit erhalten bleibt. Wenn fünf Personen fünf unterschiedliche Wege für denselben Auftrag wünschen, braucht es eine Entscheidung zugunsten eines klaren, nachvollziehbaren Prozesses.
So stellt Ihr das ERP Projektteam richtig auf
Startet nicht mit einer langen Liste von Softwarewünschen. Legt zuerst das Zielbild fest. Wollt Ihr Excel-Listen ablösen, Bestände verlässlich steuern, schneller abschließen, mehrere Gesellschaften abbilden oder Eingangsrechnungen automatisch verarbeiten? Ein konkretes Ziel macht Prioritäten sichtbar und schützt das Projekt vor Funktionswünschen, die keinen messbaren Nutzen bringen.
Danach erstellt Ihr eine einfache Rollenübersicht: Name, Rolle, Entscheidungsrecht, erwarteter Zeitaufwand und Vertretung. Gerade die Vertretung wird häufig vergessen. Fällt die einzige Person für Lager oder Finanzen zwei Wochen aus, darf das Projekt nicht stillstehen.
Plant außerdem feste Entscheidungswege. Operative Fragen klärt das Projektteam zeitnah. Themen mit Auswirkung auf Kosten, Termin oder Prozessstandard gehen an den Auftraggeber. Was nicht innerhalb weniger Tage entschieden wird, gehört sichtbar auf eine Eskalationsliste. So verschwinden offene Punkte nicht in E-Mail-Postfächern.
Ein praxistauglicher Rhythmus besteht aus einem kurzen wöchentlichen Arbeitstermin und einem Lenkungskreis in festen Abständen. Der Arbeitstermin behandelt Aufgaben, Tests und Hindernisse. Der Lenkungskreis entscheidet über Abweichungen. Mehr Sitzungen sind nicht automatisch besser. In einem Projekt mit klarer Vorbereitung kann eine SAP-Business-One-Einführung in vier bis acht Wochen gelingen. Das setzt allerdings voraus, dass Euer Team Daten liefert, Tests ernst nimmt und Entscheidungen nicht vertagt.
Die häufigsten Fehler - und wie Ihr sie vermeidet
Der erste Fehler ist ein Projektleiter ohne Freiraum. Wenn operative Hektik jede Projektaufgabe verdrängt, rutscht der Terminplan sofort. Reduziert für die Projektzeit gezielt andere Aufgaben oder verteilt sie im Team.
Der zweite Fehler ist die Dominanz eines einzelnen Bereichs. Ein ERP ist kein Vertriebs-, Lager- oder Finanzsystem allein. Prozessentscheidungen müssen die Folgen für angrenzende Bereiche berücksichtigen. Ein sauberer Freigabeprozess mag einen zusätzlichen Schritt bedeuten, verhindert aber später fehlende Daten und Diskussionen im Abschluss.
Der dritte Fehler lautet: Anpassung vor Prozessklärung. Individuelle Felder, Berichte oder Schnittstellen können sinnvoll sein, wenn sie einen echten Wettbewerbsvorteil oder eine zwingende Anforderung abbilden. Sie sind aber kein Ersatz für klare Verantwortlichkeiten. Prüft erst den Standardprozess, dann die Konfiguration und erst danach eine Erweiterung.
Der vierte Fehler ist ein Test mit Beispieldaten. Testet mit echten Fällen: Teilmengen, Reklamationen, Preisabweichungen, Rückstände, Fremdwährungen oder Rechnungen mit mehreren Kostenstellen. Erst dann zeigt sich, ob der Ablauf im Alltag trägt. Wenn Ihr KI für Belegverarbeitung oder Abfragen per Chat einsetzen wollt, gehören auch Datenschutz, Berechtigungen und Freigaberegeln von Anfang an in den Test.
Ein guter ERP-Partner bringt Erfahrung und Struktur ein, nimmt Euch aber nicht die internen Entscheidungen ab. RConsult arbeitet deshalb mit klaren Verantwortlichkeiten, pragmatischen Projektplänen und einem Fokus auf SAP Business One statt auf überdimensionierte Programme. Das Ziel ist kein endloses Projekt, sondern ein System, das Euer Team nach dem Start zuverlässig nutzt.
Benennt diese Woche den Auftraggeber, den Projektleiter und die Prozessverantwortlichen. Ein kurzer Termin mit klaren Namen ist wertvoller als weitere Monate mit Excel-Notlösungen - und gibt Eurem ERP-Projekt den Start, den es verdient.

