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HANA-Migration: Entscheidung, Vorbereitung, Kosten

SQL Server oder SAP HANA? Wann sich die Migration lohnt, wann ein Neustart besser ist, wie du sie vorbereitest und was sie kostet.

Daniel Ruther
Daniel Ruther
· 8 Min. Lesezeit
HANA-Migration: Entscheidung, Vorbereitung, Kosten

Ob sich der Wechsel von Microsoft SQL Server auf SAP HANA lohnt, entscheidest du nicht an der Datenbank, sondern an deinem Alltag: Wie groß ist deine Datenbank, welche Auswertungen brauchst du, welche Add-ons setzt du ein und wie viel eigenes SQL steckt in deinem System? Dieser Artikel beantwortet die Frage in vier Schritten: Was unterscheidet die beiden Editionen, wann lohnt sich die Migration, wann ein Neustart, und wie bereitest du sie vor.

Die Kurzantwort vorweg: SQL Server ist kein Auslaufmodell, SAP führt beide Editionen weiter. HANA lohnt sich, wenn du die Funktionen nutzen willst, die es nur dort gibt, oder wenn deine Auswertungen auf SQL Server spürbar zu langsam sind. Eine Migration bei laufendem Betrieb dauert bei uns 2 bis 10 Wochen und kostet zum Festpreis zwischen 6.500 EUR und 27.500 EUR.

SQL Server und HANA im Vergleich

Beide Editionen sind dasselbe SAP Business One mit denselben Belegen, Stammdaten und Berechtigungen. Der Unterschied liegt in der Datenbank darunter und in einigen Funktionen, die SAP nur für HANA anbietet.

Microsoft SQL ServerSAP HANA
Aktueller Stand10.0 Feature Package 260810.0 Feature Package 2608
Betriebssystem DatenbankserverWindows Server 2016, 2019, 2022 oder 2025nur SUSE Linux Enterprise Server 15 SP5 bis SP7
DatenbankversionSQL Server 2016, 2017, 2019 oder 2022SAP HANA 2.0 SPS 08
HardwareStandardserverfür SAP Business One zertifizierte Hardware oder gehostet
Web Client und Service Layerja, unter Windowsja, unter Linux
KI-Funktionen im Web Client (Ask AI, Abfragen per KI)jaja
Enterprise Search, Intelligent Forecast, Pervasive Analytics, Fiori-Cockpitneinja
HANA-Analysekacheln im Web Clientneinja
DatenbanklizenzSQL-Server-Lizenz separatHANA-Lizenz zusätzlich, in der Mietlizenz enthalten

Stand: SAP Administrator’s Guides für 10.0 FP 2608 vom Oktober 2026.

Zwei verbreitete Annahmen stimmen so nicht. Erstens: Für den Web Client brauchst du kein HANA, er läuft auch mit SQL Server. Zweitens: Eine offizielle SAP-Aussage, neue Funktionen kämen nur noch für HANA, gibt es nicht. Die aktuellen Schwerpunkte, also Web Client, Service Layer und KI, laufen auf beiden Editionen. Die Mainstream-Wartung für SAP Business One 10.0 gilt laut SAP bis 31.12.2028, und laut Roadmap 2026 soll auch Version 11 beide Datenbanken unterstützen.

Im Blick behalten solltest du auf SQL Server den Support von Microsoft:

SQL-Server-VersionSupport bei Microsoft endet
SQL Server 2016am 14.07.2026 beendet, Sicherheitsupdates nur noch kostenpflichtig
SQL Server 201712.10.2027
SQL Server 201908.01.2030
SQL Server 202211.01.2033

Läuft dein SAP Business One noch auf SQL Server 2016 oder 2017, steht ohnehin ein Datenbankwechsel an. Das ist der natürliche Moment, die Frage SQL Server 2022 oder HANA einmal sauber zu beantworten.

Wann sich die Migration lohnt

Die Entscheidung hängt an wenigen Kriterien. Wenn mehrere davon auf HANA zeigen, lohnt sich die genauere Prüfung.

Kriteriumspricht für HANAspricht dafür, auf SQL Server zu bleiben
AuswertungenBerichte und Abfragen dauern Minuten, Analysen laufen nach FeierabendStandardberichte reichen, Laufzeiten sind unkritisch
Analysefunktionendu willst Dashboards, Forecasts oder die Enterprise Search nutzenAuswertungen laufen über Excel oder ein separates BI-Werkzeug
Datenbankgrößedeutlich über 15 GB und wachsendunter 5 GB, kaum Wachstum
BetriebHosting beim Cloud-Partner oder Linux-Wissen im Hauseigene Windows-Infrastruktur, kein Linux-Wissen
Eigenentwicklungenwenig eigenes SQL, wenige Add-onsviele selbst geschriebene Abfragen, Stored Procedures und Reports
AnlassSQL-Server-Wechsel steht ohnehin an, Hardware wird erneuertServer ist neu, SQL Server 2022 läuft

Lohnt sich die Migration noch nicht, ist das keine schlechte Nachricht. Ein gepflegtes SAP Business One auf SQL Server 2022 ist eine solide Basis für die nächsten Jahre. Was HANA im täglichen Betrieb konkret ändert, steht in einem eigenen Artikel: Braucht SAP Business One wirklich HANA im Alltag?

Migration oder Neustart

Bei einer Migration ziehst du deine bestehende Datenbank mit allen Belegen, Stammdaten und Einstellungen auf HANA um. Bei einem Neustart legst du einen neuen Mandanten auf HANA an und übernimmst nur Stammdaten, offene Posten und Bestände. Beides ist legitim, es kommt auf den Zustand deines Systems an.

MigrationNeustart
Historievollständig im Systembleibt im Altsystem, das lesbar weiterläuft
Altlastenwandern mitbleiben zurück
Prozessebleiben, wie sie sindwerden neu aufgesetzt
Aufwandplanbar, vor allem technischhöher, fachliche Entscheidungen nötig
Sinnvoll, wennProzesse passen und die Daten sauber sindsich Prozesse stark geändert haben oder das System über Jahre verbogen wurde

Ein typischer Fall für die Migration: Ein Großhändler mit 25 Benutzern und 30 GB Datenbank, die Abläufe passen, nur die Auswertungen sind zu langsam. Ein typischer Fall für den Neustart: Ein Unternehmen hat SAP Business One vor zwölf Jahren eingeführt, seitdem Geschäftsmodell und Kontenrahmen geändert, und die Hälfte der Felder wird nicht mehr genutzt. Dann bezahlst du bei der Migration dafür, Ballast auf eine neue Plattform zu tragen.

Der Neustart ist eher eine neue Einführung als eine Migration. Wie die abläuft, steht auf unserer Seite zur Einführung von SAP Business One.

Was technisch passiert

SAP liefert für den Wechsel den Migration Wizard. Er läuft auf einem Windows-Rechner, überträgt die Firmendatenbanken auf den HANA-Server und hebt sie im selben Lauf auf die Zielversion. Die wichtigsten Punkte laut SAP-Dokumentation:

  • Die Quelldatenbank muss mindestens auf Version 9.2 PL00 stehen. Ab welchem Stand eine direkte Migration geht, nennt die Overview Note der Zielversion.
  • Alle Add-ons müssen vor dem Lauf entfernt und danach neu registriert werden. Der Hersteller muss eine HANA-Version liefern.
  • Benutzerdefinierte Felder und Tabellen migriert der Wizard mit.
  • Abfragen, Stored Procedures wie die Transaction Notification, Dashboards und Crystal Reports mit eigenem SQL müssen in HANA-SQL umgeschrieben werden. SAP liefert dafür einen halbautomatischen Konverter, prüfen musst du trotzdem jede Abfrage.
  • Anhänge über 512 MB übernimmt der Wizard in der Standardeinstellung nicht.
  • Mit der Option Test Only lässt sich vorab prüfen, ob die Datenbank migrierbar ist, ohne etwas zu verändern.
  • Für HANA brauchst du zusätzlich einen HANA-Lizenzschlüssel, und weil der Lizenzserver auf den Linux-Server umzieht, einen neuen Hardware-Key.

So bereitest du die Migration vor

Die meisten Probleme entstehen nicht im Migrationslauf, sondern davor: bei einem Add-on, an das keiner gedacht hat, oder bei einer Abfrage, die nachts eine Schnittstelle füttert. Den Großteil der technischen Bestandsaufnahme musst du dafür nicht selbst machen. In unserer Systemanalyse ermittelt unser Analysetool automatisch:

  • Version und Patch-Stand von SAP Business One und SQL Server
  • Datenbankgröße und Umfang der Anhänge
  • die registrierten Add-ons
  • alle gespeicherten Abfragen, formatierten Suchen, Views, Stored Procedures wie die Transaction Notification und Crystal Reports mit eigenem SQL

Die Zahl der Anpassungen bestimmt den Aufwand stärker als die Datenbankgröße, deshalb ergibt sich daraus auch der Festpreis. Was kein Werkzeug aus der Datenbank lesen kann, klärst du mit deinem Team:

  1. Schnittstellen erfassen, die von außen zugreifen: Welche Programme lesen oder schreiben direkt per SQL, welche über DI API oder Service Layer, und wer betreut sie?
  2. Bei den Herstellern deiner Add-ons die HANA-Version und deren Preis anfragen.
  3. Alte Testmandanten löschen und Stammdaten bereinigen: doppelte Geschäftspartner, inaktive Artikel, verwaiste Konten.
  4. Betriebsform entscheiden: eigener zertifizierter Server oder Hosting beim Cloud-Partner.
  5. Key-User je Bereich benennen und ihre wichtigsten Vorgänge als Testfälle aufschreiben, vom Angebot bis zur Zahlung.
  6. Ein Wochenende für die Umstellung festlegen, nicht im Monats- oder Jahresabschluss und nicht in der Inventur.
  7. Vereinbaren, wer am Montag nach dem Go-live erreichbar ist und wie Fehler gemeldet werden.

Ablauf und Dauer

PhaseWas passiertDauer
SystemanalyseDatenbank, Anpassungen und Add-ons erfassen, Festpreis festlegenwenige Tage
Umgebung aufbauenHANA-Server oder Hosting einrichten, Testsystem bereitstellenetwa 1 Woche
Testmigrationvollständige Migration auf das Testsystem, das Produktivsystem läuft weiter1 bis 2 Tage
AnpassungenAbfragen, Reports und Stored Procedures auf HANA-SQL umschreiben1 bis 4 Wochen
TestsKey-User testen ihre echten Vorgänge, Korrekturen1 bis 3 Wochen
Umstellungfinale Migration im Wartungsfenster1 Wochenende
Nachbetreuungpriorisierter Support in den ersten Tagen1 bis 10 Werktage

Die Spannen stammen aus unseren Projekten, SAP selbst nennt für den Migrationslauf keine Dauer. Kleine Systeme mit wenig eigenem SQL sind in 2 Wochen umgestellt, große mit vielen Anpassungen brauchen bis zu 10 Wochen.

Was die Migration kostet

Wir migrieren zum Festpreis. Er hängt an zwei Größen: der Datenbankgröße und der Zahl der Anpassungen, also Abfragen, Views und Reports.

PaketDatenbankAnpassungenFestpreis
XSunter 5 GBunter 206.500 EUR
S5 bis 15 GB20 bis 5010.000 EUR
M15 bis 50 GB50 bis 15017.500 EUR
L50 bis 100 GB150 bis 30027.500 EUR
XLüber 100 GBüber 300nach Analyse

Alle Preise netto. Die Systemanalyse kostet 1.500 EUR und wird bei Auftrag angerechnet. Nicht enthalten sind Hardware oder Hosting, die HANA-Lizenz und die HANA-Versionen der Add-ons anderer Hersteller. Dein Paket kannst du im Festpreisrechner zur HANA-Migration selbst ermitteln. Worauf du bei Festpreisangeboten achten solltest, steht in unserer Checkliste für Festpreisangebote zur HANA-Migration.

Häufige Fragen

Wird die SQL-Server-Version von SAP Business One eingestellt?
Nein. SAP Business One 10.0 gibt es aktuell (Feature Package 2608) für Microsoft SQL Server und für SAP HANA, beide mit eigenem Administrator's Guide. Die Mainstream-Wartung für 10.0 läuft laut SAP bis 31.12.2028. Laut SAP-Roadmap 2026 soll auch Version 11 beide Datenbanken unterstützen.
Welche Funktionen gibt es nur mit SAP HANA?
Laut SAP-Dokumentation unter anderem die Enterprise Search, Intelligent Forecast, Pervasive Analytics mit eigenen Dashboards, das Fiori-Cockpit und im Web Client die HANA-Analysekacheln. Web Client, Service Layer und die neuen KI-Funktionen laufen dagegen auch mit SQL Server.
Wie lange dauert eine HANA-Migration?
Bei unseren Projekten zwischen 2 und 10 Wochen, je nach Datenbankgröße und Zahl der Anpassungen. Der eigentliche Migrationslauf dauert wenige Stunden und liegt meist an einem Wochenende. Die meiste Zeit geht in Testmigration, das Umschreiben von Abfragen und Reports und die Tests der Key-User.
Was kostet die Migration auf SAP HANA?
Unsere Festpreise liegen zwischen 6.500 EUR für Datenbanken unter 5 GB und 27.500 EUR für 50 bis 100 GB, darüber nach Analyse. Die Systemanalyse kostet 1.500 EUR und wird bei Auftrag angerechnet. Hardware oder Hosting und die HANA-Lizenz kommen dazu.
Was passiert mit Add-ons und eigenen Abfragen?
Vor dem Migrationslauf müssen laut SAP alle Add-ons entfernt und danach neu registriert werden, der Hersteller muss eine HANA-Version liefern. Benutzerdefinierte Felder und Tabellen übernimmt der Migration Wizard. Abfragen, Stored Procedures wie die Transaction Notification und Crystal Reports mit eigenem SQL müssen in HANA-SQL umgeschrieben werden.

Aktualisiert am 5. November 2026

Daniel Ruther
Daniel Ruther
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